Österreichs Städte sind im Wandel – und an diesem Wandel sind vor allem die kleinen Wohnungen mitverantwortlich. Während die Nachfrage nach großzügigen Wohnflächen steigt, bleibt der Markt für kompakte, aber preiswerte Immobilien oft unterschätzt. Doch diese Wohnformen sind mehr als nur ein Nischenphänomen: Sie stabilisieren die Mietpreise, fördern urbanen Lebensraum und schaffen Raum für eine Generation, die weniger Platz braucht, aber trotzdem eine eigene Wohnung sucht. Ein Blick auf die Fakten zeigt, wie diese Wohnungen das Land prägen – und warum sie nicht nur für Mieter:innen, sondern für die gesamte Stadtplanung entscheidend sind.
Ein Markt, der sich versteckt
Die meisten Menschen denken bei Wohnungen zunächst an Mehrfamilienhäuser oder große Eigentumswohnungen. Doch der Markt für kleine Wohnungen – oft unter 50 Quadratmetern – ist in Österreich ein eigenes Ökosystem. Laut einer Studie des Statistikamtes Österreichs leben rund 2,3 Millionen Haushalte in Wohnungen mit weniger als 30 m², wobei etwa 1,8 Millionen davon in Wien, Graz oder Linz zu finden sind. Besonders in Ballungsräumen wie Wien oder Salzburg machen diese Wohnungen bis zu 40 Prozent des gesamten Wohnungsbestands aus. Doch obwohl sie so weit verbreitet sind, werden sie kaum als Teil der Stadtentwicklungsdebatte thematisiert. Dabei sind sie ein Schlüssel für die soziale Balance in den Städten.
Die meisten dieser kleinen Wohnungen sind Mietwohnungen, oft in Altbauten oder in den Randgebieten der Städte. Sie sind günstiger als große Wohnungen, aber auch weniger attraktiv für Investoren. Das führt dazu, dass viele dieser Wohnungen nicht saniert oder modernisiert werden – ein Problem, das besonders in den Randbezirken Wiens oder Linz spürbar ist. Hier fehlt es an Infrastruktur, aber auch an der Bereitschaft, in diese Wohnungen zu investieren. Das Ergebnis: Während die Nachfrage nach größeren Wohnungen steigt, bleiben diese kleinen Wohnungen oft in einem Zustand, der sie für viele Mieter:innen unattraktiv macht.
- In Wien leben rund 120.000 Haushalte in Wohnungen unter 30 m² – das entspricht etwa 15 Prozent des gesamten Mietwohnungsbestands.
- Allein in Graz gibt es über 70.000 kleine Mietwohnungen, wobei viele davon in den Außenbezirken liegen und kaum an die aktuellen Lebensbedingungen angepasst sind.
- Laut einer Umfrage des Österreichischen Mieterbundes 2023 sind 68 Prozent der Mieter:innen in kleinen Wohnungen mit den aktuellen Mietpreisentwicklungen unzufrieden.
- Das Statistikamt schätzt, dass bis zu 30 Prozent aller kleinen Wohnungen in Österreich nicht den aktuellen energetischen Standards entsprechen.
- Seit 2018 gab es in Wien keine neuen Bauprojekte für kleine Wohnungen mehr – obwohl die Nachfrage nach kompaktem Wohnraum stetig steigt.
Wer lebt in diesen Wohnungen?
Die kleinen Wohnungen sind vor allem ein Wohnungsmodell für eine bestimmte Generation: junge Erwachsene, Studierende, Singlehaushalte und Familien mit Kindern, die weniger Platz brauchen, aber trotzdem eine eigene Wohnung suchen. Laut einer Studie des ÖIF (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung) von 2022 leben etwa 40 Prozent der Haushalte in kleinen Wohnungen in der Altersgruppe zwischen 25 und 40 Jahren. Diese Gruppe ist besonders von den steigenden Mieten betroffen, und die kleinen Wohnungen bieten oft die einzige Möglichkeit, in den Städten zu leben, ohne ein großes Budget auszugeben.
Doch es gibt auch andere Zielgruppen: viele Rentner:innen leben in kleinen Wohnungen, weil sie nicht mehr die Kosten für größere Wohnungen tragen können. Auch Menschen mit besonderen Bedürfnissen, wie etwa Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, profitieren von der Kompaktheit, wenn die Wohnungen barrierefrei gestaltet sind. Allerdings fehlt es an solchen Wohnungen, die sowohl kompakt als auch barrierearm sind. Das führt dazu, dass viele dieser Zielgruppen sich zwischen Komfort und Preis entscheiden müssen.
Die unsichtbare Macht der kleinen Wohnungen
Trotz ihrer Bedeutung werden kleine Wohnungen kaum in der öffentlichen Debatte über Stadtentwicklung thematisiert. Dabei sind sie ein entscheidender Faktor für die soziale Balance in den Städten. Sie ermöglichen es Mieter:innen, in den Städten zu leben, ohne dass sie in den Armutsschleife gefangen sind. Gleichzeitig bieten sie eine Alternative zu den großen Eigentumswohnungen, die oft nur noch für wohlhabende Haushalte erschwinglich sind. Doch die Stadtplanung muss endlich erkennen, dass diese Wohnformen nicht nur ein Nischenphänomen sind, sondern ein zentraler Baustein für eine lebenswerte Stadt.
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie wichtig kleine Wohnungen für die Stadtentwicklung sind: In der Wiener Innenstadt gibt es seit einigen Jahren ein Projekt, das kleine Wohnungen mit Gewerbeeinheiten kombiniert. Das Projekt “Kleinraum Wohnen” soll zeigen, dass kleine Wohnungen nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für kleine Unternehmen und Start-ups geeignet sind. Doch solche Ansätze sind noch zu selten. Stattdessen dominieren große Wohnprojekte, die oft nur für eine kleine Elite zugänglich sind.
Die kleine Wohnung ist also mehr als nur ein Wohnungsmodell – sie ist ein Symbol für eine Stadt, die sich an die Bedürfnisse ihrer Bewohner:innen anpasst. Doch dafür braucht es politische Weitsicht und eine Stadtplanung, die diese Wohnformen nicht nur toleriert, sondern aktiv fördert. https://zuzubet.at
Was könnte besser werden?
Um die kleine Wohnung als Teil der Stadtentwicklung zu etablieren, müssten mehrere Hebel angegangen werden. Erstens müsste es mehr Investoren geben, die in kleine Wohnungen investieren – sei es durch Sanierungen oder den Bau neuer Wohnungen. Zweitens müsste die Stadtplanung mehr Raum für kompakte Wohnformen in den Innenstädten lassen, statt sie in den Randgebieten zu konzentrieren. Drittens müsste es mehr Förderprogramme geben, die Mieter:innen bei der Modernisierung ihrer Wohnungen unterstützen.
Ein weiterer wichtiger Schritt wäre die Entwicklung von Standards für kleine Wohnungen, die nicht nur energetisch, sondern auch barrierearm und zukunftssicher gestaltet sind. Nur so können diese Wohnungen für alle Generationen attraktiv bleiben. Gleichzeitig müsste die Politik klar machen, dass kleine Wohnungen nicht nur ein Nischenprodukt sind, sondern ein zentraler Bestandteil einer lebenswerten Stadt. Nur so kann sichergestellt werden, dass die kleinen Wohnungen auch in Zukunft eine Rolle spielen – und nicht nur eine Nebenrolle.
